Page 27 - LogReal.Direkt_Ausgabe-1.2025
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Logistikimmobilien

           Begehen Gemeinden und Kommunen einen Fehler, wenn sie   Die wichtigste Erkenntnis dabei ist, dass Industrie nicht
           Brownfield-Flächen primär für Industrie und Produktion   ohne Logistik funktionieren kann, und von daher muss
             reservieren und Logistik verdrängen?       Logistik zusammen mit Industrie betrachtet werden. Die
                                                        Lösung liegt in hybriden Konzepten, in denen Industrie,
           Ja,  wenn sie sich auf Industrien festlegen und diese  im   Produktion und Logistik gemeinsam auf Brownfield-Flä-
           Strukturwandel an Wirtschaftskraft verlieren, werden   chen integriert werden.
           Standorte geschlossen, die kurz- und mittelfristig nicht   Die Vorteile einer hybriden Nutzung liegen auf der
           durch Neuansiedlungen ersetzt werden können. Mit der   Hand: Sie reduziert die Flächenknappheit, denn eine
           Festlegung auf einzelne Leuchtturmprojekte gehen die   kombinierte Ansiedlung von Industrie, Produktion und
           Gemeinden  ein  hohes  Risiko  ein.  Klassisches  Beispiel   Logistik kann die Flächen und vorhandenen Ressourcen
           ist Intel in Magdeburg (auch wenn es sich nicht um eine   (Arbeitsplätze, Infrastruktur) effizienter nutzen.
           Brownfield-Nutzung handelt). Trotz Standortvorteilen,   Prozesse werden beschleunigt und Lieferketten
           Subventionen, vorhandenem politischen Willen und lan-  werden kürzer, wenn Produktion und Logistik am sel-
           ger Planungszeit wurde das Projekt auf der Zielgerade aus   ben Standort angesiedelt sind. Die gemeinsame Nutzung
           strategischer Sicht gestoppt.                von  Infrastruktur  (Energieversorgung,  Verkehrsanbin-
               Produktionsstandorte weisen oft lange und kompli-
           zierte Planungsphasen auf. In diesen Zeiträumen können   dung, …) senkt CO₂-Emissionen und Betriebskosten.
                                                        Außerdem ziehen diese Standorte eine vielfältige Mi-
           sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern, die den   schung aus Unternehmen an. Das fördert Innovationen.
           Industriezweig nicht mehr profitabel machen. Gemein-  Ein Beispiel ist die ehemalige Opel-Fläche in Bochum.
           den diversifizieren ihre wirtschaftlichen Standorte durch   Die Logistik muss dabei Lösungen für den Flächenver-
           Festlegung auf Industrie zu wenig, was bei Rückzug der   brauch und die CO₂-Emissionen durch hybride Konzep-
           Industrien zu Leerstand, Arbeitslosigkeit und Einbruch   te, ESG-konforme Immobilien und Prozesse sowie – trotz
           der Steuereinnahmen führt.                   notwendiger Automatisierung  – die Schaffung  von Ar-
               Industrieunternehmen verursachen Emissionen so-
           wie einen hohen Energie- und Wasserbedarf (z.B. Tesla   beitsplätzen bieten, und zwar in enger Zusammenarbeit
                                                        mit den Kommunen.
           in Grünheide). Das Ansiedeln von Industrien ist oft nur
           durch massive Subventionen möglich. Das ist keine nach-
           haltige, sondern eine riskante Strategie, weil nach Ablauf
           der Subventionen die Produktion erneut verlagert wird.
           Außerdem kann die Ansiedlung von Großprojekten zu
           Widerstand in der Gemeinde führen.

           Welche Nachteile resultieren daraus für Logistik?

           Logistikflächen werden an die Peripherie gedrängt, die
           Transportwege und Lieferketten werden länger. Die Ver-
           kehre und damit die CO₂-Emissionen steigen, die Trans-
           portkosten erhöhen sich.


           Das Ansehen von Logistikunternehmen ist wenig prestige-
           trächtig. Wie kann ein Umdenken in diesem starren Schema
           voll zogen werden?

           In den Gemeinden und Kommunen muss ein Umden-
           ken  erfolgen.  Dazu  müssen  Entwickler  die  Gemeinden
           mit neuen Konzepten für die Ansiedlung von Logistik
           an Brownfield-Standorten überzeugen. Die Kommunen
           müssen Logistik als essenziellen Bestandteil der Wert-
           schöpfungskette anerkennen. Logistik ist das Rück-
           grat einer funktionierenden Wirtschaft – ohne gut
           gelegene Umschlagzentren entstehen Engpässe in
           der Versorgung, Lieferketten werden unterbro-
           chen.






                       Thomas Unzen | EGLS, European Green Logistics Space                               LogReal.Direkt 27
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