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Logistikimmobilien
Begehen Gemeinden und Kommunen einen Fehler, wenn sie Die wichtigste Erkenntnis dabei ist, dass Industrie nicht
Brownfield-Flächen primär für Industrie und Produktion ohne Logistik funktionieren kann, und von daher muss
reservieren und Logistik verdrängen? Logistik zusammen mit Industrie betrachtet werden. Die
Lösung liegt in hybriden Konzepten, in denen Industrie,
Ja, wenn sie sich auf Industrien festlegen und diese im Produktion und Logistik gemeinsam auf Brownfield-Flä-
Strukturwandel an Wirtschaftskraft verlieren, werden chen integriert werden.
Standorte geschlossen, die kurz- und mittelfristig nicht Die Vorteile einer hybriden Nutzung liegen auf der
durch Neuansiedlungen ersetzt werden können. Mit der Hand: Sie reduziert die Flächenknappheit, denn eine
Festlegung auf einzelne Leuchtturmprojekte gehen die kombinierte Ansiedlung von Industrie, Produktion und
Gemeinden ein hohes Risiko ein. Klassisches Beispiel Logistik kann die Flächen und vorhandenen Ressourcen
ist Intel in Magdeburg (auch wenn es sich nicht um eine (Arbeitsplätze, Infrastruktur) effizienter nutzen.
Brownfield-Nutzung handelt). Trotz Standortvorteilen, Prozesse werden beschleunigt und Lieferketten
Subventionen, vorhandenem politischen Willen und lan- werden kürzer, wenn Produktion und Logistik am sel-
ger Planungszeit wurde das Projekt auf der Zielgerade aus ben Standort angesiedelt sind. Die gemeinsame Nutzung
strategischer Sicht gestoppt. von Infrastruktur (Energieversorgung, Verkehrsanbin-
Produktionsstandorte weisen oft lange und kompli-
zierte Planungsphasen auf. In diesen Zeiträumen können dung, …) senkt CO₂-Emissionen und Betriebskosten.
Außerdem ziehen diese Standorte eine vielfältige Mi-
sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern, die den schung aus Unternehmen an. Das fördert Innovationen.
Industriezweig nicht mehr profitabel machen. Gemein- Ein Beispiel ist die ehemalige Opel-Fläche in Bochum.
den diversifizieren ihre wirtschaftlichen Standorte durch Die Logistik muss dabei Lösungen für den Flächenver-
Festlegung auf Industrie zu wenig, was bei Rückzug der brauch und die CO₂-Emissionen durch hybride Konzep-
Industrien zu Leerstand, Arbeitslosigkeit und Einbruch te, ESG-konforme Immobilien und Prozesse sowie – trotz
der Steuereinnahmen führt. notwendiger Automatisierung – die Schaffung von Ar-
Industrieunternehmen verursachen Emissionen so-
wie einen hohen Energie- und Wasserbedarf (z.B. Tesla beitsplätzen bieten, und zwar in enger Zusammenarbeit
mit den Kommunen.
in Grünheide). Das Ansiedeln von Industrien ist oft nur
durch massive Subventionen möglich. Das ist keine nach-
haltige, sondern eine riskante Strategie, weil nach Ablauf
der Subventionen die Produktion erneut verlagert wird.
Außerdem kann die Ansiedlung von Großprojekten zu
Widerstand in der Gemeinde führen.
Welche Nachteile resultieren daraus für Logistik?
Logistikflächen werden an die Peripherie gedrängt, die
Transportwege und Lieferketten werden länger. Die Ver-
kehre und damit die CO₂-Emissionen steigen, die Trans-
portkosten erhöhen sich.
Das Ansehen von Logistikunternehmen ist wenig prestige-
trächtig. Wie kann ein Umdenken in diesem starren Schema
voll zogen werden?
In den Gemeinden und Kommunen muss ein Umden-
ken erfolgen. Dazu müssen Entwickler die Gemeinden
mit neuen Konzepten für die Ansiedlung von Logistik
an Brownfield-Standorten überzeugen. Die Kommunen
müssen Logistik als essenziellen Bestandteil der Wert-
schöpfungskette anerkennen. Logistik ist das Rück-
grat einer funktionierenden Wirtschaft – ohne gut
gelegene Umschlagzentren entstehen Engpässe in
der Versorgung, Lieferketten werden unterbro-
chen.
Thomas Unzen | EGLS, European Green Logistics Space LogReal.Direkt 27