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Logistikimmobilien


                      Brownfields für Industrie und




                      Produktion? Wo bleibt Logistik?







                      Wenn Produktionsbetriebe schließen, entstehen Flächen  Im Rahmen der  Euroforum Konferenz „Die Logis-
                      in Form von Brownfields, die zur Nachnutzung anstehen.  tik-Immobilie“ Anfang Februar diskutierten Rainer
                      Oft gibt es allerdings keine Bebauungspläne, vor allem,  Koepke (CBRE) und Thomas Unzen (EGLS, European
                      wenn das Areal über einen langen Zeitraum für Produk-  Green Logistics Space) auf dem Podium über die Vor-
                      tion genutzt wurde. Wenn es um größere Grundstücke  und Nachteile unterschiedlicher Brownfield-Nutzungen
                      geht, interessieren sich die Kommunen dafür. Sie wollen  durch Kommunen. EGLS ist ein neuer Player im Markt
                      vermeiden, dass unerwünschte Nutzungen entstehen.  für Logistikimmobilienentwicklung.
                      Dazu gehören aus ihrer Sicht häufig Logistikzentren, da
                      man diese mit wenigen und schlecht bezahlten Arbeits- Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte:
                      plätzen sowie Lärm und Verkehr verbindet (auch wenn
                      das z.B. bei Kontraktlogistik gar nicht der Fall ist). Die  Welche Gründe gibt es für die Bevorzugung von Industrie-
                      Kommunen reagieren dann mit Änderungsbeschlüssen  ansiedlungen gegenüber Logistikzentren?
                      zum B-Plan, meist in Richtung Produktionsnutzung.   Zunächst einmal erzielt eine Industrieansiedlung höhere
                      Wenn der Grundstückseigentümer hier nicht offen ist und   Steuereinnahmen für die Gemeinden. Auch die Schaffung
                      mit der Stadt kooperiert, kann die Kommune als „scharfes   von mehr und besser qualifizierten Industriearbeitsplät-
                      Schwert“ auch eine Veränderungssperre verfügen. Dann   zen spricht gegen die Logistik. Hinzu kommt bei Indus-
                      geht erstmal gar nichts.
                                                                   trieansiedlungen eine in der Regel geringere und besser
                                                                   vorhersehbare Verkehrsbelastung, einhergehend mit ge-
                                                                   ringerem Verschleiß der örtlichen Infrastruktur und we-
                                                                   niger Lärmemissionen.
                                                                       In der öffentlichen Wahrnehmung werden insbeson-
                                                                   dere zukunftssichere Industrien (z.B. Chipfabriken) oder
                                                                   die Hersteller bekannter Marken als innovative Wirt-
                                                                   schaftszweige wahrgenommen. Industriebetriebe investie-
                                                                   ren darüber hinaus in grüne und klimaneutrale Produk-
                                                                   tionsprozesse. Die Standortbindung ist in der Regel eine
                                                                   längere, denn Industrie und Produktion planen langfris-
                                                                   tig, während die Logistik deutlich kurzlebiger ist.
                                                                       Industrielle Ansiedlungen ziehen oft Forschungs-
                                                                   und Entwicklungseinrichtungen an. Große Industriepro-
                                                                          jekte können eine Stadt als Technologiestandort
                                                                                  international positionieren. An Indus-
                                                                                     triestandorten siedeln sich weite-
                                                                                       re Lieferanten, Kleinbetriebe,
                                                                                        Dienstleister etc. an, welche
                                                                                        neben den Beschäftigungsim-
                                                                                        pulsen auch die Wirtschafts-
                                                                                        kraft in der Gemeinde erhö-
                                                                                         hen.












    26 LogReal.Direkt                                                             Rainer Koepke | CBRE
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