Page 51 - LogReal.Direkt Ausgabe 1.2017
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Logistik : :

                     Hochstimmung




                     zum Jahresanfang







                     Von Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL)

                     Mehr als fünf Jahre ist es her, dass der Klimawert des
                     Logistik-Indikators einen noch besseren Wert erreich-
                     te als in der November-Befragung 2016. Das war im
                     September 2011. Was folgte, war eine lange Phase
                     vor allem währungspolitischer Unsicherheiten, die die
                     realwirtschaftlichen Erfolge in der Wahrnehmung lange
                     Zeit überlagerten. Im vierten Quartal 2016 also Hoch-
                     stimmung im Wirtschaftsbereich Logistik – trotz Brexit,
                     Wahlen in den USA, ungeklärter Fragen im Euroraum
                     und Fliehkräften in der EU.
                                                                                         Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner

                     Der Gesamtklimawert legt um beachtliche sieben Pro- zum Logistik-Indikator, ist und bleibt entscheidend wich-
                     zent zu.  Treiber des Optimismus sind die hervorragen- tig für den Geschäftserfolg. In der Relevanz der Märkte
                     de  Lageeinschätzung  auf  beiden  Marktseiten  und eine  folgen die USA und China. Hier wird die Politik des neu-
                     robuste Erwartungshaltung  von Industrie und Handel,  en amerikanischen Präsidenten mit Blick auf den freien
                     die dem neuen Jahr mit viel Vertrauen entgegensehen.  Welthandel vielleicht manche Spielregeln ändern.
                     Anders die Logistikdienstleister: Ihr Erwartungswert ist
                     rückläufig, was auf einen gewissen Zweckpessimismus  Der Schwung, den die Hochstimmung zum Jahreswech-
                     schließen lässt, denn mitten im brummenden Jahres- sel erzeugt, wird helfen, eine wichtige Entwicklung kon-
                     schlussgeschäft und am Ende eines insgesamt sehr  sequent  voranzutreiben:  die  digitale  Transformation.
                     ordentlichen  Jahres mag man  das Glück nicht heraus- Großer Handlungsbedarf besteht hier laut Umfrage bei
                     fordern und die Erwartungen nicht zu hoch schrauben.  der Anpassung des Datenmanagements und der Schnitt-
                     Vielleicht antizipieren die Logistiker in den Speditionen  stellen, bei der Vernetzung von Prozessabläufen und der
                     aber auch die Wirkungen steigender Energiepreise, denn  Qualifikation der Beschäftigten. Die BVL stellt das kom-
                     schließlich hat die Organisation Erdöl exportierender  mende Jahr unter das Motto „Neues denken, Digitales le-
                     Länder (Opec) beschlossen, erstmals seit 2008 die Förder- ben“ und wird in ihren Veranstaltungen sehr konkret auf
                     mengen zu drosseln.                           den Transformationsprozess eingehen und die Player in
                                                                   Industrie, Handel, Logistikdienstleistungen und Wissen-
                     In Industrie und Handel sind die Auftragsbücher offenbar  schaft miteinander ins Gespräch bringen.
                     gut gefüllt, was sich über kurz oder lang positiv auf die  www.bvl.de/logistik-indikator
                     Beschäftigungslage der Dienstleister auswirken dürfte.
                     Zum Jahresende hin nahm die Konjunktur insgesamt
                     noch einmal an Fahrt auf und es wird auf beiden Markt-
                     seiten Personal aufgebaut. Das Verarbeitende Gewerbe,
                     so  meldet  vor  kurzem  das  Statistische  Bundesamt,  er-
                     reichte den höchsten Beschäftigungsstand seit 2005.


                     Und was bringt 2017 konkret? Nach Brexit und US-Wahl
                     stehen wichtige Wahlen in Kerneuropa an, deren Ergeb-
                     nisse die Neigung zu Abschottung und Protektionismus
                     verstärken können. Was daraus folgt, ist schwer zu prog-
                     nostizieren. Die Entwicklung in der EU, das signalisieren
                     beide Marktseiten in ihrer Antwort auf eine Zusatzfrage


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