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Logistikimmobilien
Personalengpass im Lager –
Wo gibt es noch Potenziale?
Von Uwe Die lokale Verfügbarkeit von Personal ist mittlerweile bundenen Planungs- und Koordinationsaufgaben tätig
Veres-Homm zu einem der wichtigsten Standortfaktoren für größe- waren, lag die Gesamtzahl der Logistikbeschäftigten
re neue Logistikansiedlungen geworden. Bereits vor der im Juni 2021 bei rund 2,92 Mio. Das entspricht einem
Corona-Krise hatte die Branche – nicht nur im Fahrer- Zuwachs von rund 51.000 Beschäftigungsverhältnissen.
bereich – mit teilweise sehr schwierigen Rekrutierungs- Aktuell (Juli 2022) stehen Verkehrs- und Logistikberufe
bedingungen und entsprechend langen Zeiträumen für (außer Fahrzeugführung) laut Bundesagentur für Arbeit
die Stellenbesetzung zu kämpfen. Aktuell kommt ver- mit 71.000 gemeldeten Stellen an der Spitze der Top 10
schärfend hinzu, dass offenbar auch in allen anderen der meistgesuchten Berufe in Deutschland.
Wirtschaftsbereichen die Fachkräfte fehlen. Regional
Ein Großteil dieser Zahl ist dabei auf die Lagerberufe und
zeigen sich jedoch auch unter den etablierten Logistik-
damit die operativen Beschäftigten in Logistikimmobi-
standorten teilweise deutliche Unterschiede.
lien zurückzuführen: Ihre Anzahl stieg allein von 2019
„Wo sind nur all die Arbeitskräfte geblieben?“ Diese Fra- – 2021 von 1,53 Mio. auf 1,56 Mio. was rund 32.000
ge drängt sich derzeit geradezu auf, wenn man an den Beschäftigungsverhältnissen entspricht. In den letzten
vielen „Mitarbeiter gesucht“-Schildern vorbeikommt. 10 Jahren hat die Zahl an Lagerberufen und Umschlags-
Ob Pflege, Gastronomie, Verwaltung, ÖPNV, Handwerk, berufen in Deutschland gar um rund 45% zugenommen.
IT oder eben Logistik – überall scheint händeringend Hier schlägt sich die bereits seit Jahren hohe Nachfrage
nach Mitarbeitenden gesucht zu werden. Nach Betrach- nach Lagerflächen in Deutschland also auch deutlich in
tung der jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen nieder.
ist das nicht verwunderlich: Trotz der wirtschaftlichen
Die am Fraunhofer IIS regelmäßig analysierte regiona-
Krisen waren im April 2022 bundesweit knapp 1 Mio.
le Verteilung der Logistikbeschäftigung zeigt die regi-
bzw. 3 Prozent mehr sozialversicherungspflichtig Be-
onalen Unterschiede auf. Die Analyse umfasst sechs
schäftigte gemeldet, als im April 2019. Dieser Aufwuchs
Kriterien, die über eine Bewertung und anschließende
an Beschäftigungsverhältnissen trifft im gleichen Zeit-
Gewichtung zu einem Indexwert zusammengefasst
raum auf ein teilweise völlig verändertes Mobilitäts-
werden. Bei den berücksichtigten Kriterien wurde sich
verhalten, deutlich höhere HomeOffice-Quoten, hohe
u.a. die Frage gestellt, wo kurzfristig eine größere An-
Anteile an Kurzarbeit und nicht zuletzt den demogra-
zahl an Arbeitskräften für die Logistik zur Verfügung
phischen Wandel.
steht, sodass auch Ansiedlungen mit einem Personal-
Dennoch konnte auch die Logistikwirtschaft in den bedarf von mehreren hundert Mitarbeitern geeignete
durchaus außergewöhnlichen letzten zwei Jahren deut- Rahmenbedingungen vorfinden. Konkret werden die
lich an Beschäftigten zulegen. Während im Juni 2019 absolute Zahl potentieller Arbeitnehmer, der relative
noch 2,87 Mio. Sozialversicherungspflichtige im Bereich Anteil der Lager- und Umschlagsbeschäftigten, das ge-
Transport, Umschlag oder Lagerung bzw. den damit ver- nerelle Einkommensniveau in der Region, die lokale Ar-
Abbildung 1:
Entwicklung der sozial-
versicherungspflichtig 150
Beschäftigten in Deutschland
(Indiziert, Basis 2000=100) 140
130
120
110
100
90
80
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Fraunhofer IIS,
Datengrundlage svp Gesamtbeschäftigung svp Logistikbeschäftigung svp Beschäftigung Lagerwirtschaft und Güterumschlag
Bundesagentur
für Arbeit
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